Polycare Research Technology GmbH & Co. KG

Preisträger Kategorie A
„Wirtschaft für Entwicklung“

Das Preisträgerunternehmen

PolyCare Research Technology GmbH & Co. KG wurde 2010 von Dr. Gerhard Dust und Gunther Plötner im thüringischen Gehlberg gegründet. Die Idee zur Gründung des Unternehmens entstand als Antwort auf die Not, von Naturkatastrophen betroffene Menschen unterzubringen. PolyCare entwickelte ein System, um robuste Gebäude aus vorgeformten, steckbaren Bausteinen zu errichten. Der gesamte Herstellungs- und Konstruktionsprozess ist nachhaltig und sozial gestaltet. Die Bausteine bestehen aus mineralischen Zuschlagstoffen (Kies, Sand, Gesteinsmehl etc.) und Polyesterharz als Bindemittel. Durch das System steckbarer Bausteine lassen sich ohne spezielle Ausbildung in kürzester Zeit individuell gestaltbare Gebäude errichten. Das Gießen der Elemente erfolgt vor Ort in den jeweiligen Ländern. Das hält die Transportwege kurz.  Eine erste Fabrik mit derzeit 35 Mitarbeitenden hat PolyCare in Namibia aufgebaut und will die Produktion zeitnah auf weitere Länder ausweiten.

Das Projekt

PolyCare errichtete im südlichen Afrika bereits Musterhäuser. Das unterstützt, die soziale Akzeptanz der alternativen Baumaterialien und -methoden sicherzustellen. Um die Errichtung von Gebäuden auf andere Regionen ausweiten zu können, müssen die PolyCare-Bauelemente und die Architektur der Gebäude den jeweiligen klimatischen und kulturellen Erfordernissen angepasst werden. Zu diesem Zweck arbeitet PolyCare mit dem Research Center for Design and Architecture in Boisbuchet, Frankreich, zusammen. In interdisziplinären Workshops mit Architekten und Studierenden aus aller Welt sollen gemeinsam konkrete Problemstellungen ausgearbeitet und praktikable Lösungen aufgezeigt werden.

Besonderheit des Unternehmens und Wirkungen des Projekts

Mit seinem innovativen Stecksystem mit Bausteinen aus Polymer-Beton befähigt PolyCare Menschen dazu, eigenständig und ohne entsprechende Ausbildung in kürzester Zeit umweltfreundliche und beständige Gebäude zu errichten. Durch die Verwendung von lokalen Rohstoffen für die Bauelemente und durch die Produktion vor Ort erzielt das Projekt soziale und ökologische Wirkungen. Die Wiederverwendbarkeit der Bauelemente und die Vermeidung von Abfällen und Emissionen auf der Baustelle eröffnet – in der Bauindustrie erstmalig – ein Geschäftsmodell im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Auch die Herstellung des Polymer-Betons ist klimafreundlicher, im Vergleich zu herkömmlichem Beton wird 60 Prozent weniger CO2 ausgestoßen. PolyCare bietet somit eine umweltfreundliche und soziale Antwort auf den Bedarf an Wohn- und Sozialgebäuden in Entwicklungs- und Schwellenländern und setzt damit direkt bei den Betroffenen an.

Verwendung des Preisgeldes

Mit dem Preisgeld organisiert PolyCare Workshops mit internationalen Architekten und Studierenden. Ziel der Workshops ist es, die Gebäude den klimatischen und architektonischen Anforderungen weiterer Zielregionen anzupassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konzeptionieren verschiedene Gebäudearten und errichten schließlich auch ein PolyCare-Gebäude vor Ort. Dieses dient als Unterkunft für kommende Studierende und Lehrende.

©PolyCare
Aufbau eines Musterhauses. In der eigenen Produktionsstätte von PolyCare in Namibia sind bereits 35 Arbeitsplätze entstanden.

©PolyCare
Dr. Gerhard Dust, der Gründer von PolyCare, mit einem steckbaren Baustein aus Polymer-Beton, dahinter ein Musterhaus.